Alle Texte: Bertolt Brecht
Musik: Paul Dessau, Hanns Eisler, Kurt Weill
Gitarre: Sebastian Albert
aus dem Programmheft:
Dieses Programm will einen Bogen schlagen.
gestern heute morgen
Das Gedicht „Die neuen Zeitalter“, eingemeißelt in die Wand der Toreinfahrt zu Bertolt Brechts letzter Wohnstätte in der Chausseestraße ini Berlin-Mitte, bestimmt die Richtung, die dieses Programm nehmen wird, spricht es besser aus als wir es können, benennt in wenigen Worten das, was wir sagen wollen.
(2013)
Die neuen Zeitalter
Die neuen Zeitalter beginnen nicht auf einmal
Mein Großvater lebte schon in der neuen Zeit
Mein Enkel wird wohl noch in der alten leben
Das neue Fleisch wird mit den alten Gabeln gegessen.
Die selbstfahrenden Fahrzeuge waren es nicht
Noch die Tanks
Die Flugzeuge über unseren Dächern waren es nicht
Noch die Bomber.
Von den neuen Antennen kamen die alten Dummheiten.
Die Weisheit wurde von Mund zu Mund weitergegeben.
(1943)
Grafik: Ricardo Cortez
Foto: Ricardo Cortez
BAD ESSEN. Am Samstagabend gastierten Alix dudel, Gesang und Wort, und Sebastian Albert an der Gitarre im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. In ausdrcksstarken Klang- und Wortbildern gelang den beiden Künstlern ein wortgewaltiges Porträt des Dichters und Visionärs Bertolt Brecht. Ihr Auftritt bildete den 2. Teil der 1. Literatur- und Musiktage in Bad Essen. …
Alix Dudel, die Diseuse mit dem unverwechselbaren Timbre, die sich auch international als Sängerin und Schauspielerin einen Namen gemacht hat, war extra aus Berlin angereist. An ihrer Seite war Sebastian Albert, der mit seinem Gitarrenspiel den wolkenweichen Boden bot, in die die Melancholie der zumeist gesungenen Worte sinken konnte.
Brecht-Songs mit klassischer Gitarrenbegleitung – kann das überhaupt funktionieren? Und ob! Jedenfalls, wenn man einen so technisch versierten und fantasievollen Gitarristen hat wie Sebastian Albert. Er hat die von Hanns Eisler, Paul Dessau und Kurt Weill im Original für das Klavier konzipierten Begleitsätze fast notengetreu auf die Gitarre übertragen.
Erweitert wurde das Repertoire durch eigene Arrangements sowie durch anspruchsvolle Konzertetüden des Brasilianers Heitor Villa-Lobos. Ob „Erinnerung an die Marie A.“, „Der Schuh des Empedokles“, Brechts Versuch, den spektakulären Tod des Philosophen zum Exemplum gegen Aberglauben und Mystifikation umzudeuten: Musik, Worte und Gesang rundeten sich ab, bildeten eine atmosphärische Dichte und Einheit. Somit bekamen die Besucher einen umfassenden Überblick über das riesige OEuvre von Bertolt Brecht. …
Diseuse Alix Dudel und Gitarrist Sebastian Albert eröffnen Brecht-Tage im Stadttheater
HILDESHEIM. Bei einem Brecht-Abend denkt man sofort an die „Dreigroschenoper“. Auch die steht ab 29. Juni auf dem Spielplan des Stadttheaters. Doch zur Eröffnung der Brecht-Tage gab es „Lieder, Lyrik und Worte“. Alix Dudel und Sebastian Albert legen den Fokus auf unbekanntere Werke des Dichters.
Kein klassischer Liederabend, mit Stücken von Hanns Eisler, Paul Dessau und KUrt Weill, sondern vielmehr eine Brecht-Collage, die von Liedern, Moritaten, Gedichten und Toneinspielungen lebt. Stimmen vom Band bilden Metaphern und Metaebenen zu einzelnen Programmpunkten: kriegerische Kampfrufe bei „An den kleinen Radioapparat“, aus dem die Feinde zu einem sprechen, oder Dudels eigene Stimme, die wie beim Gedicht „Keuschheitsballade in Dur“ ihre Sprechperformance um eine akustische Ebene erweitert.
Im Foyer des Stadttheaters gib sich die im Hannoverschen Raum aufgewachsene Sängerin und Schauspielerin Alix Dudel selbstbewusst. In gewisser Weise ein Nachhausekommen, schließlich stand sie hier 2006 in Richard Heubergers Operette „Der Opernball“ als Madame Beaubuisson auf der Bühne.
Dudel strahlt das Flair alter Kabarette und Varietés aus. Gesanglich verrucht bis rauchig lässt ihre tiefe Altstimmlage oft an Hildegard Knef oder gar an einen Jüngling denken. Ihr Sprechtimbre durchdringt das Gehör in der Art einer Evelyn Hamann, deren Namen man nicht zuletzt durch Dudels Talent zur darstellerischen Komik assoziiert.
Die Diseuse und ihr Gitarrist Sebastian Albert sind perfekt aufeinander abgestimmt. …
LEER. Einen wundervollen lyrisch-musikalischen Abend mit Gedichten von Bertolt Brecht erlebten rund 50 Besucher am Donnerstagabend im Kulturspeicher. Ein Klassiker gehöre immer ins Programm des Bücherfrühlings, erläuterte Stadtbüchereileiterin Antje Hamer-Hümmling eingangs. Letztes Jahr gab es Kafka, diesmal Brecht.
Mit ihrer Vortrags- und Sangeskunst bezauberte die Berliner Schauspielerin Alix Dudel ebenso, wie der klassische Konzertgitarrist Sebastian Albert aus Hamburg mit seinem sanften, begleitenden Spiel……
… So unterschiedlich die Texte auch waren, traf sie stets den passenden Ton, mal elegisch, mal keck – und ihr Partner an der Gitarre zauberte die passenden Klänge dazu. Das Publikum lauschte andächtig und belohnte den faszinierenden Auftritt der Künstler mit begeistertem Applaus.