aus dem Programmheft:
Foto: Armin Plöger
Foto: Armin Plöger
BAD NAUHEIM. „Man nennt mich Rosenrot. Ich bin zwar groß, aber harmonisch gebaut“ – atemlose Stille zieht mit ein wenn die Grande Dame des deutschen Chansons den Saal betritt, wie selbstverständlich zu lesen beginnt und scheinbar von sich erzählt. Das war im pickepackevollen „Überflieger“ dieser Tage nicht anders. Alix Dudels Aura ist legendär nach nahezu zwei Jahrzehnten Bühnenpräsenz.
„Ich möchte Lady sein“ – umspielt von klassisch schwarzem Hosenanzug mit roten Farbtupfer darunter, faszinierendem Glitzer an den Ohren und um den Hals, scheinen sich in stilvollen 1,85 Metern Körperlänge schwarzer Humor und weiße Seele auf wundesame Weise zu paaren mit dunkel-samtiger Altstimme und hell leuchtenden Augen. Der sagenumwobenen Femme fatale jüngster Ausflug in die Höhen und Tiefen erotischer Wirklichkeit verleiht indes ein nicht zuletzt aus seiner Musikschullehrerzeit in der Badestadt bekannter Magier an den schwarz-weißen Tasten Flügel. Mit einem zarten Piano am Pianoforte verdichtete Thorsten Larbig im „Überflieger“ den knisternden Einstieg in die „schönste Sache der Welt“…
Keine Spielart wird ausgelassen und doch Distanz und formvollendete Ästhetik bewahrt. Ein höchst sinnlicher Genuss, der den „Brasserie“-Besuchern tief unter die Haut ging und auch nach zwei heftig eingeforderten Zugaben viel zu schnell in die Wirklichkeit entließ, und ein unvergessliches Glanzlicht im „Bad Nauheim liederlich“-Reigen von „Überflieger“, Sparkasse Wetterau und Wetterauer Zeitung war.
Alix Dudel im Pavillon
Eigentlich sollten an diesem Abend alle Hüllen fallen, aber zuerst einmal gingen die Rollläden hoch: Der kleine Saal im Veranstaltungszentrum Pavillon war zu eng für die im wahrsten Sinne des Wortes) große Chanson-Sängerin Alix Dudel und ihre Anhängerschaft. Aber bei einem Programm mit dem Titel „Komm. Zieh dich aus.“ kann es ja nicht schaden, wenn für das Auditorium noch ein paar verschwiegene Winkel bereit gestellt werden.
Was die Vortragskünstlerin aus der Gegend um Hildesheim interessant macht, ist gewiss nicht allein der Heimvorteil: Sie versteht es, mit ihrer dunkelweichen Stimme verborgene und ungezügelte, abseitige und alltägliche Gelüste ans Licht zu bringen. In den Texten und Chansons zum Thema Sex ging es natürlich um das Eine, meistens aber um mehr. Der melancholische Witz, mit dem Irmgard Keuns „Kunstseidenes Mädchen“ die sexuelle Ausbeutung ihresgleichen beschreibt, die spitze Zunge des Georg Kreisler, Peter Dükers skurrile Szenerie einer Befriedigung von Fenster zu Fenster – Alix Dudel hatte eine Collage von Texten und Liedern zusammengestellt, die den normalen Zuhörer anregten und Sexualtherapeuten vermutlich nachdenklich gestimmt hätten. Künstler geben sich eben nicht mit dem Alltäglichen zufrieden.
Für die Zeit zwischen den Höhepunkten hatte Alix Dudel sich einen Mann am Klavier engagiert. Der Pianist Thorsten Larbig bot alles, was sich eine dominante Frau so wünscht. Er streichelte mit viel Fingerspitzengefühl (die Tasten), kam ihr nie in die Quere und hatte sowohl Eingängiges als auch kernige Rhythmen im Repertoire. Hingebungsvoller Applaus
Sie hat ihre Arme um einen Pfeiler neben der Bühne geschlungen. Alix Dudel steht im Halbdunkel. Ihren Körper hat sie leicht nach vorn gebeugt. „Und wenn ich keiniem mehr gefalle, dann möcht‘ ich gern begraben sein“, singt Dudel mit ihrer kraftvollen, tiefen Stimme, in der ein Hauch von Verzweiflung mitschwingt. 100 Gästen sind am Sonnabendabend ins Kulturzentrum gekommen, um dem neuen Programm der Künstlerin zu lauschen.
„Komm. Zieh dich aus“, heißt es …
… Die hingerissenen Gäste können sich vor Lachen kaum halten, als Dudel, heruasfordernd lächelnd, ein Loblied auf das schönste Körperteil des Mannes singt. „Es gibt ihn nackt oder stark behaart – ihm gilt mein Liebesgruß, dem wunderschönen Männerfuß.“ …
HILDESHEIM. Menschen mit Berührungsängsten sind an diesem Abend im Kollmanns live völlig falsch. Es ist reichlich voll. Da streift schon mal eine Hand einen fremden Arm. Da reiben sich schon mal Knie aneinander, die gar nicht füreinander bestimmt sind. Und warm wird es.
Dem Motto des turbulenten Abends leistet trotzdem keiner Folge. „Komm. Zieh dich aus,“ fordert Alix Dudel. selbst äußerst attraktiv verhüllt, und bringt mit Thorsten Larbig am Flügel ein frech-frivoles Programm aus Chansons, Literatur und Klavierimprovisation auf die Bühne.
… Das Publikum hat sich glänzend amüsiert beim Streifzug durch erotischen Wunsch, sinnlichen Wahn und die oft doch so bedrückende Wirklichkeit.
NIENBURG. Die Bühne ist in samtig rotes Licht getaucht. Die Töne gefühllvoller Klavierarrangements erklingen. Neben dem Pianisten ist die Silhouette einer elegant gekleideten Frau zu erkennen. Die Musik verstummt. Der Scheinwerfer setzt die Frau in Szene, die in den kommenden eineinhalb Stunden über das geschlechtliche Miteinander und die schönste Nebensache der Welt singen und lesen wird. Am Freitagabend gastierte Alix Dudel im Nienburger Kulturwerk. Als musikalische Verstärkung war Pianist Thorsten Larbig mitgekommen. Mit ihrer verrucht-sanften Stimme verführte die Chansonette und Rezitatorin ihr Publikum. Ihre kühle, sachliche Art, Texte vorzutragen. beeindruckte. Nicht nur, weil es sich um ein pikantes Thema handelte. Die fast unschuldige Weise, eine literarische Gratwanderung zwischen amüsierender Frivolität und obszöner Banalität ist Alix Dudel in ihrem aktuellen Programm „Komm. Zieh dich aus.“ perfekt gelungen. …