Alle Texte: Friedhelm Kändler
Am Klavier: Uli Schmid
aus dem Programmheft:
Foto: Armin Plöger
Foto: Marc Theis
BERLIN. Beinahe sperrig beginnt Alix Dudels Liederreigen im BKA, der Berliner Kabarett-Anstalt. Denn die tiefkehlige Hannoveraner Diseuse verzichtet in ihrer konzentrierten Inszenierung von kauzigen Kändler-Texten auf postmoderne Divenmätzchen. Augenzwinkernd und von innen heraus leuchtend, gibt sie sich ganz ungeniert als „Dame in Aspik“ und geht, eingekleidet in den „letzten Schrei“, mit ihrem Publikum auf Tuchfühlung.
Dennoch bleibt Distanz ihr Stilmittel. Ihre Herkunft aus intimen Cabarets kann sie ebenso wenig verhehlen wie die pure Lust an geschliffener Vortragskunst. Die hat die Dudel in 20-jähriger Zusammenarbeit mit dem Erfinder des „Wowo“, Friedhelm Kändler, zu höchster Perfektion getrieben. Jedes mehrfach gewendete und sinnverdrehte Wort zergeht ihr auf der Zunge. Um den schwarzhumorigen Hintersinn der Kammergedichte und Songs zu verstehen, bedarf es Konzentration.
Erschließt sich das Liebelied „Nummer 9“ noch wie von selbst, wird es beim „Heinrich“, der lieber Transvestit als Skilehrer werden möchte, oder der dunklen Hymne auf den „Exhibitionisten“ schon zwei- und dreideutiger. Gemeinsam mit ihrem eingespielten Pianisten Uli Schmid spielt Frau Dudel mit eingefleischten Wahrnehmungen und Weltsichten. …
Alix Dudel zieht alle Register ihres Könnens
DÜREN. Wie ein Geist huschte sie im Dämmerlicht auf die Bühne; ein weißer Hut, eine weiße Stola. Langsam warfen die Scheinwerfer helleres Licht und dort stand sie, bewegungslos. Alix Dudel, ihres Zeichens Diseuse aus Hannover, in Selbstverzückung erstarrt: „Ich bin so schön, da kann ich gar nicht hinsehn“, klagte sie dem Publikum ihr Leid als „ideal-fatale“ Frau. Und machte sich auf zum Siegeszug durch die Stuhlreihen…
DÜREN. Chansons, Kabarett, Musik, Theater – Alix Dudel lässt sich nur schwer in eine Schublade pressen. Im „Komm“-Zentrum präsentierte sie ihr Programm „Einmal sing ich noch“.
Alix Dudel und Uli Schmid hatten vor einem Jahr die Vorentscheidung des Westspitzen-Festivals in der Sparte Chanson im „Komm“-Zentrum gewonnen.
Zum Dank an das Dürener Publikum gab es nun die „komplette Alix Dudel“ in Langversion. …
Ach, die Liebe ist ein seltsames Spiel. Für frisch Verliebte hängt der Himmel voller Geigen, wer auf der Suche ist, für den ist alles grau. Da sitzt man als Frau vielleicht um halb drei in der Nacht in einer Kaschemme, in der stillen Hoffnung, es komme noch einer mit Augen, in denen man baden möchte. Nur der Fußboden schaut einen noch an, „draußen ist es für alles zu früh und drinnen für alles zu spät“. Das sind so die Abende, schön und traurig, man trinkt noch einen kleinen Roten, Abende, wie geschaffen, um sie in einem Chanson zu spiegeln.
Alix Dudel, die derzeit mit „Leckereien einer Diseuse“ in der „alten Patrone“ in Mainz gastiert, würde vielleicht Whisky trinken, so tief, so warm und dunkel ist ihre Stimme. Mal melancholisch, mal frivol, mitmännermordendem Gemüt, orientiert sie sich deutlich an den Chansons der zwanziger Jahre. Und sie beherrscht ihre Rolle virtuos…
ESCHERSHAUSEN. Das hat es in Eschershausen noch nicht gegeben. Aus der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule wurde ein Verzehr-Theater. In kleinen Sitzgruppen, nett dekoriert, konnten sich die Besucher mit Wein und kleinen Leckereien langsam auf das einstimmen, was um 20 Uhr auf sie zukommen sollte. Alix Dudel war angekündigt mit ihrem Proigramm „Einmal sing‘ ich noch“..
Wer ist Alix Dudel? Seit sie 1987 mit ihrem ersten Programm „Männer und Butterblumen“ ungeahnte Erfolge feierte, ist sie aus der Welt des deutschen Chansons nicht mehr wegzudenken. Schon damals stand ihr der Schriftsteller Friedhelm Kändler zur Seite. Tanz, Theater und Gesang gehörten zu ihrer Ausbildung. Inzwischen ist sie zu Gast auf den Bühnen von New York bis Köln, Leipzig, Wiesbaden oder ihrer Heimatstadt Hannover. Im Tigerpalast in Frankfurt, einem internationalen Varieté-Theater, präsentiert sie häufig die Weltstars als Dame der Conférence – und auch sich selbst als Diseuse…