Texte: Friedhelm Kändler, Wondratschek, Kästner, Baudelaire, Grasshoff u. a.
Musik: Andreas N. Tarkmann, Bizet, Kreisler, Weill, Nick u. a.
Regie: Werner Haindl
Ankündigung März 1992:
LANGENHAGEN: Eine Diseuse von Format besucht Langenhagen. Von Donnerstag, 26. März, bis Sonnabend, 28. März, jeweils um 20 Uhr tritt Alix Dudel im „daunstärs“ auf. Mit verraucht-verruchter Stimme und einem Hauch von Femme fatale hat sie eine immer größere Fangemeinde.
Die Dudel singt nicht nur, sondern rezitiert auch. Da sie sich immer mehr von ihren Vorbildern löst und immer eigenständiger wird, fasziniert sie auf wechselnde Weise…
Foto: Armin Plöger
Foto: Ralf Mohr
Kleinkunst ist keine Frage der Körpergröße. Aber wenn die hochgewachsene Alix Dudel sich im bis auf den letzten Stuhl ausgebuchten „Kanapee“ auch nur einen Schritt vom Flügel wegbewegt, ist sie so sehr auf Tuchfühlung, dass man notfalls auch handgreiflich überprüfen könnte, ob ihre roten Kostüme tatsächlich aus Pannesamt geschneidert sind. Dabei zitiert sie doch Irmgard Keuns „kunstseidenes Mädchen“.
Aber das ist sie sowenig wie die „Dame in Aspik“, die den Titel ihres neuen Solo-Programm abgibt. Denn in Gelatine hüllt man nicht zuletzt Fleisch, das man frischhalten will. Doch vom Verfallsdatum ist Hannovers hausgemachte Diseuse ja weit entfernt. Sie ist noch auf dem Sprung – und hat schon eine treue Anhängerschaft um sich gesammelt, die dafür sorgt, dass ein Platz in der ersten Aufführungsserie in der kleinen Konzert- und Weinstube „Kanapee“ schwerer zu erlangen ist als ein Platz als Quotenfrau bei den Wiener Philharmonikern oder in manchen Politik-Zeitungsressorts. …
Die Diseuse Alix Dudel trat dreimal im ausverkauften daunstärs auf
Wer ist sie nun wirklich, Hannovers Lokaldiseuse, die sich längst auch in Süddeutschland einen Namen gemacht hat? „Dame in Aspik“ nennt sie ihr Programm, mit dem sie vergangene Woche gleich dreimal im ausverkauften daunstärs zu Gast war. „Etwas Sülze, etwas Gelee – warum nicht?“ Wenn der Mann sie schließlich so möchte, zum Anbeißen konserviert. Aber dann ist sie wieder die ganz andere Dudel. Die selbstbewusste, starke Frau, bei der der Mann nichts zu lachen hat, wenn sie erst einmal in Rage ist.
„Warum nicht kurzerhand mit dem Schädel durch die Wand? Wenn die Geigen erstmal schweigen, macht die Pauke die Musik.“ Doch die etwas schwächeren Rollen liegen ihr noch besser. Mit ihrer gekonnt schönen Leidensmiene und einer charmant rauchigen Stimme möchte sie ihm gerne so richtig böse sein – und kann es nicht. „Was er gesagt hat war abscheulich, widerlich. Und ich habe sanft gelächelt. Ich habe noch gedacht, darauf reagierst du nicht. Wenn ich nur wüsste, was er gesagt hat.“ …
KLEIN SCHARREL. „Ich bin engagiert, damit Ihr Euch amüsiert“, versprach Alix Dudel, Diseuse aus Hannover, bei ihrem Auftritt im Micro Hall Art Center in Klein Scharrel. An zwei Abenden gastierte sie dort vor ausverkauftem Haus im Rahmen der zweiten Ammerländer Kabarett- und Kleinkunsttage. …
„Ich bin intelligent, aber das macht nichts!“ Recht hat sie, die hannoversche Diseuse Alix Dudel, die in der Vitischanze ihre „Dame in Aspik! vorstellte.
Alix Dudel (sie heißt tatsächlich so) findet mühelos den Wegzwischen mondäner, egozentrischer Diva und frecher, zeitweise spießiger, aber immer liebenswerter Frau von nebenan. …