Die Nacht ist der Ort
Wo Eis und Feuer sich begegnen
Lautlose Schreie verhallen
In Dichtern und Musikern
Phantasie und Aberwitz
Lustvolle Séancen feiern
Foto: André Spolvint
Ankündigung in der Neuen Presse vom 18. März 1988:
Lieder von Hexen und freundlichen Gespenstern
Sie singt von Hexen, Geistern und Dämonen – ein paar freundliche Gespenster freilich spuken auch durch Texte und Melodien: Alix Dudel lässt sich dabei heute und morgen (18./19. März) in der Galerie Calenberg von Andreas N. Tarkmann am Klavier begleiten.
Verse von Brecht, Tucholsky und Kästner hat sich die 31jährige für ihr Programm vorgenommen, ihre große Liebe gehört dem Chanson. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich noch bei der Post, geschauspielert hat sie zwischendurch u. a. bei den „Rammbaffs“, und durch ihren privaten Schauspielunterricht bei Christa Spolvint ist sie zur Diseuse geworden.
Foto: Armin Plöger
Ein Schädel schwebte durch die Nacht, eine verschmähte Liebe entstieg der Gruft, und ein Nachtgespenst polterte dumpf-dröhnend. Es war, als zöge eine dezente Schwefelwolke durch die Werkstatt Galerie Calenberg, als Alix Dudel dort im Rahmen der Kabarettwochen ihre Schauerstunde zelebrierte. „Hexen, Geister und Dämonen“ besang sie mit beschwörend tiefer Stimme, mattgold gewandet und eine Spinne samt Netz im Ohr, wie frisch vom Blocksberg angeritten.
Doch nein, der ist ja aus der Mode. Zum Hexenberg Echsenkeil, so raunt sie werbend, kann man schon auf dem Handfeger kommen. Und Männer gibt’s da viel einfacher, da braucht sie nicht erst einen Liebestrank aus Blutegelsülze und Hasenhoden anzurühren.
Fein angemischt und abgeschmeckt war dieses Gebräu aus alten und neuen Gruseltexten und -liedern. Von Goethe bis Schwitters hat Alix Dudel die Literatur ausgeschlachtet. Friedhelm Kändler hat gezielt dazu schwarz-schaurige Zombie- und Rabenverse untergemengt…
…Nur schwer wollte das bezauberte Publikum einsehen, dass auch der schönste Spuk mal eine Ende haben muss
„Die Nacht ist der Ort, wo Eis und Feuer sich begegnen, lautlose Schreie verhallen…“ Okkultes in der Dunkelheit. Fließende Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit. Musikalisch untermalte Geschichten, die das Fürchten, Gruseln und Schmunzeln lehren: Die hannoversche Chansonette Alix Dudel war unheimlich-zauberhafter Gast in der Hermine.
Und dann betrat sie den Raum: Den für diesen hexischen und dämonischen Abend viel zu hellen Hermine-Saal. Sie schwebte durch das Publikum und verirrte sich mit ihrem Blick gleich tief in einigen Publikumsgesichtern. Schon allein bei ihrer ausdrucksstark-dunklen Stimme wird so manch einem ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen sein. Harmonische Ergänzung: Andreas N. Tarkmann. Totenblass geschminkt mit emotionslos-starrem Gesicht. Einzig menschlich-warmer Farbtupfer: Die rotumrandete Brille.
Geschichten und Lieder von Hexen, Geistern und Dämonen bot die faszinierende Diseuse Alix Dudel. Erotik, Witz und Grusel pur. Das Publikum erstarrte vor Betroffenheit bei den Stücken, die eine Brücke zur Realität schlugen. „In Flammen soll morgen der Leib dir verderben.“ Damit wurde in dramatischer Art und Weise mittelalterlicher Hexenverfolgung gedacht.
Anspruchsvoll auch…
WALDEMS-BERMBACH. Noch ist sie im südhessischen Raum kaum bekannt, die junge Diseuse Alix Dudel aus Hannover, die sich vor drei Jahren für die Kleinkunstbühne entschied. Nach einer strengen Ausbildung bei Christa Spolvint und verschiedenen Auftritten in einigen Städten hat sie inzwischen auch Entertainer ihres Fachs, wie Ada Hecht, restlos überzeugt. Von dieser kam auch die Empfehlung zum Auftritt in der Bermbacher Scheune am vergangenen Samstag aus Anlass des zehnjährigen Bestehens vom Idsteiner „Hexenbuchladen“. …
… Geradezu einmalig ist die dunkel timbrierte Chansonstimme, die trotz lasziv gärender Ausstrahlung dennoch nie sympathische Wärme verliert. Gekonnt auch die sparsam eingesetzte Mimik und Gestik, die dem lebendigen Vortrag unterstützende Strukturen verlieh…
HAMELN. „Ich gäbe meine Seele her für etwas mehr böses Blut, böses schwarzes Blut“, sang Alix Dudel, denn: „Ich bin zu gut.“ Gut ist sie allerdings, sehr gut sogar – diese singende Schauspielerin mit der dunklen Stimme, die bei der „Nachtausgabe“ im ausverkauften Hamelner Dewezet-Café „Hexen, Geister und Dämonen“ beschwor. Als mänermordendes, dämonisches Weib, als wilde Frau und Trödelhexe, als Circe und als Nachtgespenst verzauberte die Diseuse aus Hannover ihr Publikum, hielt es fest in ihrem Bann. Einfühlsamer Partner am Klavier: Andreas N Tarkmann, der auch viele der Chansons und Lieder komponierte. …
… Ein schaurig-schönes, theatralisches Programm im Stil der 20er und 30er Jahre, das durch seine raffinierte, ausgeklügelte Balance zwischen Wort und Musik, Gesang, Sprache und Schauspielerei besticht.